Die christliche Seefahrt
 (lustige und nachdenkliche Sprüche & Gedichte)     

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"Als die Schiffe noch aus Holz waren, waren die Seeleute aus Eisen".  

Ein simpler Spruch, gleichwohl sagte er alles aus,was es bedeutete auf einem Segelschiff vergangener Jahrhunderte zu fahren.

Ohne die Annehmlichkeiten heutiger Zeiten waren die Seeleute jener Zeiten auf Gedeih und Verderb der See ausgeliefert.

Doch nichts konnte den Menschen davon abhalten über den Horizont hinauszusegeln.

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An Backbord brennt 'ne rode Lamp, an Stüerbord 'ne greun,
Und wenn du dat nich behollen kannst,will ick di din Heck verbleun.

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Gebet des Kippers:

Der Herr hat das Meer so weit gemacht und tut uns seine Wunder kund,
dass nicht ein jeder Lumpenhund,mit denen die Erde so reichlich gesegnet,dem ehrlichen Seemann hier draußen begegnet.

                                                                   Amen

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Seht wie die Wellen sich senken und heben,
das ist das wahre Seemansleben.

                                                            alte Matrosenweisheit

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Die Seele ist das Schiff,
das Herz das Steuer und die Wahrheit der Hafen.

                                                               friesische Weisheit

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Alltag auf See

Geh nicht zur See, mein Sohn,da ist nichts los.
Da ist die Arbeit riesengroß,da ist die Heuer viel zu klein,
da soll der Teufel Seemann sein !

                                                              altes Seemannslied

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Zwei Segel

Zwei Segel erhellend
die tiefblaue Bucht !
Zwei Segel sich schwellend
zu ruhiger Flucht !

Wie eins in den Winden
sich wölbt und bewegt,
wird auch das Empfinden
des anderen erregt.

Begehrt eins zu hasten,
das andre geht schnell,
verlangt eins zu rasten,
ruht auch sein Gesell.

                                           Conrad Ferdinand Meyer (1825 - 1898)

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Der junge Schiffer

Dort bläht ein Schiff die Segel,
Frisch saust hinein der Wind!
Der Anker wird gelichtet,
Das Steuer flugs gerichtet,
Nun fliegts hinaus geschwind.

Ein kühner Wasservogel
Kreist grüßend um den Mast,
Die Sonne brennt herunter,
Manch Fischlein, blank und munter,
Umgaukelt keck den Gast.

Wär gern hinein gesprungen,
Da draußen ist mein Reich!
Ich bin ja jung von Jahren,
Da ists mir nur ums Fahren,
Wohin? Das gilt mir gleich!

                                                     Friedrich Hebbel (1813 - 1863)

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Das Wrack

Die Flut verrinnt!  Auf ebbetrocknem Strande
Liegt dort das Wrack tiefeingewühlt im Sande;
Zerborsten klafft das Deck, der Kiel zerbrach.
Ein Schoner einst !  Wie alle Wimpel flogen,
Als er zuerst durchschoss die blauen Wogen !
Der greise Kaufherr sah ihm lächelnd nach.
 
Bayard, des Werftes Stolz, der kühnste Renner;
Am Bord neun Friesen, seegebräunte Männer
Mit stillem Aug' und eisenfester Hand.
Zum Ost und West ging manche gute Reise,
Zum fernen Süd, durch beide Wendekreise,
Den bunten Gürtel, der die Welt umspannt.
 
Dann kam der Schicksalstag. Das lang geschlafen,
Losfuhr das Wetter nah dem Heimathafen,
Zerspellte Rumpf und Rah' mit wilder Wucht,
Zersprengte Brass' und Tau gleich Fadennetzen
Und warf Gebälk und Trumm, wertlose Fetzen,
In dieses Eilands sturmgepeitschte Bucht.
 
Dort liegt das Wrack! Es sitzt auf seinen Planken
Ein alter Mann, verloren in Gedanken,
Gebückt, den breiten Hut tief im Gesicht.
Verstürmt auch er? Wer weiss, auf welchen Meeren?
Er schreibt. - Ein Lied wie dies? - Harm soll man ehren;
Geht sacht an ihm vorbei und stört ihn nicht!

                                                          Verfasser unbekannt

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Hein Mück

In den fernen Zonen
wo nur Menschen wohnen
sogar im wilden Feuerland,
kennt man Hein Mück von der Waterkant!
Er ist ein Matrose
mit `ner weiten Hose
die Mädchen geraten ganz aus Rand und Band,
sehn sie Hein Mück von der Waterkant!
Backbord  und Stüerbord!
Heut wirds mal wieder groß.
Stürmisch ist die Nacht,
heute ist der Deubel wieder los!

Hein Mück aus Bremerhaven ist allen Mädchen treu
er hat nur eine feste Braut und zwanzig nebenbei-
Die eine in Havanna, 
die andere in Hawai-
und auch in Nagasaki 
Wartet eine Butterfly!
Sein Herz ist so groß,- 
Das Meer ist weit-
Und fort ist er solange Zeit!-
Hein Mück aus Bremerhaven
Hat bei den Mädchen Glück-
doch seine alte Liebe ist 
Und bleibt sein bestes Stück!

                        Text: Charlie Amberg   Musik: Willy Engel-Berger

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John Maynard!

"Wer ist John Maynard?"

"John Maynard war unser Steuermann,
aushielt er, bis er das Ufer gewann,
er hat uns gerettet, er traegt die Kron',
er starb fuer uns, unsre Liebe sein Lohn.
John Maynard."

Die "Schwalbe" fliegt ueber den Erie-See,
Gischt schaeumt um den Bug wie Flocken von Schnee,
von Detroit fliegt sie nach Buffalo -
die Herzen aber sind frei und froh,
und die Passagiere mit Kindern und Frau'n
im Daemmerlicht schon das Ufer schau'n,
und plaudernd an John Maynard heran
tritt alles: "Wie weit noch, Steuermann?"
Der schaut nach vorn und schaut in die Rund':
"Noch dreissig Minuten... Halbe Stund'.

Alle Herzen sind froh, alle Herzen sind frei -
Da klingt's aus dem Schiffsraum her wie Schrei,
"Feuer!" war es, was da klang,
ein Qualm aus Kajuet' und Luke drang,
ein Qualm, dann Flammen lichterloh,
und noch zwanzig Minuten bis Buffalo.
Und die Passagiere, bunt gemengt,
am Bugspriet stehn sie zusammengedraengt,
am Bugspriet vorn ist noch Luft und Licht,
am Steuer aber lagert sich's dicht,
und ein Jammern wird laut: "Wo sind wir? wo?"
Und noch fuenfzehn Minuten bis Buffalo.

Der Zugwind waechst, doch die Qualmwolke steht
der Kapitaen nach dem Steuer spaeht,
er sieht nicht mehr seinen Steuermann,
aber durchs Sprachrohr fragt er an:
"Noch da, John Maynard?"

"Ja, Herr. Ich bin."
"Auf den Strand. In die Brandung."
"Ich halte drauf hin."
Und das Schiffsvolk jubelt: "Halt aus. Hallo!"
Und noch zehn Minuten bis Buffalo.

"Noch da, John Maynard?" Und Antwort schallt's
mit ersterbender Stimme: "Ja, Herr, ich halt's!"
Und in die Brandung, was Klippe, was Stein,
jagt er die "Schwalbe" mitten hinein.
Soll Rettung kommen, so kommt sie nur so.
Rettung: der Strand von Buffalo.

Das Schiff geborsten. Das Feuer verschwelt.
Gerettet alle. Nur e i n e r fehlt!

Alle Glocken gehn; ihre Toene schwell'n
himmelan aus Kirchen und Kapell'n,
ein Klingen und Laeuten, sonst schweigt die Stadt,
e i n Dienst nur, den sie heute hat:
Zehntausend folgen oder mehr,
und kein Aug' im Zuge, das traenenleer.

Sie lassen den Sarg in Blumen hinab,
mit Blumen schliessen sie das Grab,
und mit goldner Schrift in den Marmorstein
schreibt die Stadt ihren Dankspruch ein:
"Hier ruht John Maynard. In Qualm und Brand
hielt er das Steuer fest in der Hand,
er hat uns gerettet, er traegt die Kron',
er starb fuer u n s, unsre Liebe sein Lohn.
                    John Maynard."

Theodor Fontane

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Gottes sind Wogen und Wind, Segel aber und Steuer, daß ihr den Hafen gewinnt, sind euer.

Von Johann Wilhelm Kinau, sein Künstlername war Gorch Fock.

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Rund Kap Horn

Wem Gott will rechte Gunst erweisen,
den schickt er dreimal um Kap Hoorn,
dort lernt er seine Wunder preisen,
bekommt er erst den Wind von vorn.
 
Dort lernt er Gottes Güte loben,
in Sturm und Regen, Hagelböen,
und blickt er dankerfüllt nach oben,
sieht er die Rah'n voll Eis und Schnee.
 
Wenn dann die Seen überbrausen,
daß alles bricht und alles biegt,
und bei des Meeres dumpfem Sausen
im Wassergang die Wache liegt.
 
Wenn dann Jan Maat nach oben klettert
und es so eisig stürmt und weht,
dann hörst du, wie er flucht und wettert,
doch selten hörst du sein Gebet.

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Der fliegende Holländer

Es woget die See, es brauset das Meer,
Hoch türmen sich Wogen auf Wogen
dort aus der Ferne so graus und hehr
Kommt ein schwarzes Schiff gezogen.
Es regt sich auf Deck nicht Maus oder Mann
Es schwimmt auf dem Meere, und nirgends legts an.
 
Die Sterne des Himmels leuchten so hell
durch Tauwerk, Segel und Masten.
Es segelt bald langsam, es segelt bald schnell,
Als dürft es nicht ruhen, nicht rasten.
Ein Totenkopf in den Segel steht !
 
Es eilen die Schiffe aus seinem Bereich;
denn sein Anblick bringt Tod und Verderben.
Der mutigste Seemann wird starr und bleich
Und betet,  um selig zu sterben.
So schwimmt das Schiff  kreuz und quer
Viel hundert Jahre auf dem Meer.
 
Der fliegende Holländer wird es genannt,
Es ist mit dem Fluche behandet.
Als herrliches Schiff ging es einst aus dem Land
und ist seitdem nicht mehr gelandet.

 

 Th. Fathschild,  Matrose auf der preußischen 
  Fregatte Thetis (1860/62)

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Hafenkneipe

In der Kneipe 'Zum Südwester'
Sitzt der Bruder mit der Schwester
Hand in Hand.
 
Zwar der Bruder ist kein Bruder,
Doch die Schwester ist ein Luder
Und das braune Mädchen stammt aus Feuerland.
 
In der Kneipe 'Zum Südwester'
Ballt sich manchmal eine Hand,
Knallt ein Möbel an die Wand.
Doch in jener selben Schenke
Schäumt um einfache Getränke
Schwer erkämpftes Seemannsglück.
 
Die Matrosen kommen, gehen.
Alles lebt vom Wiedersehen.
Ein gegangener Gast sehnt sich zurück.
 
Durch die Fensterscheibe aber träumt ein Schatten
Derer, die dort einmal
Oder keinmal
Abenteuerliche Freude hatten.

Joachim Ringelnatz        

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Segelschiffe

Sie haben das mächtige Meer unterm Bauch
Und über sich Wolken und Sterne.
Sie lassen sich fahren vom himmlischen Hauch
mit Herrenblick in die Ferne.
 
Sie schaukeln kokett in des Schicksals Hand
Wie trunkene Schmetterlinge.
Aber sie tragen von Land zu Land
Fürsorglich wertvolle Dinge.
 
Wie das im Wind liegt und sich wiegt,
Tauwebüberspannt durch die Wogen,
Da ist eine Kunst, die friedlich siegt,
Und ihr Fleiß ist nicht verlogen.
 
Es rauscht wie Freiheit. Es riecht wie Welt. -
Natur gewordene Planken
Sind Segelschiffe. - Ihr Anblick erhellt
Und weitet unsre Gedanken.

 
Joachim Ringelnatz    

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Die mit Schiffen auf dem Meer.

Die mit Schiffen auf dem Meer fuhren
und trieben ihren Handel in großen Wassern;
sie haben die Werke des Herrn erfahren
und seine Wunder im Meer.
Wenn er sprach und einen Sturmwind erregte,
der die Wellen erhob
und sie gen Himmel fuhren
und in den Abgrund fuhren,
daß ihre Seele vor Angst verzagte,
daß sie taumelten und wankten wie ein Trunkener
und wußten keinen Rat mehr.
Die zum Herrn schrieen in ihrer Not,
führte er aus ihren Ängsten
und stillte die Ungewitter,
daß die Wellen sich legten

 

Psalm 107  (Vers 23 - 29).

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Zwei Segel.

Zwei Segel erhellend
die tiefblaue Bucht !
Zwei Segel sich schwellend
zu ruhiger Flucht !
 
Wie eins in den Winden
sich wölbt und bewegt,
wird auch das Empfinden
des anderen erregt.
 
Begehrt eins zu hasten,
das andre geht schnell,
verlangt eins zu rasten,
ruht auch sein Gesell.

Conrad Ferdinand Meyer      
(1825 - 1898)          

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Zum Schluß noch eine interessante Frage...

Geht eigentlich der Meeresspiegel kaputt, wenn man in See sticht?